
Social Commerce auf Facebook ist im Kommen. Die Plattform bietet viele Möglichkeiten – von Fan-Shops bis zu mobilen Anwendungen. W&V stellt in einer Serie die Verschiedenen Ansätze für Facebook-Commerce vor.
(...) Ob Lafer, die Modemarke Hilfiger, der Spezial-Laden Fahrrad.de oder große Handelsmarken wie Otto oder Conrad – viele Händler drängen in den Social-Commerce. Die bevorzugte Plattform: Facebook mit derzeit 750 Millionen Nutzern weltweit und 20 Millionen allein in Deutschland. Viele Experten sehen diesen Vertriebskanal noch in der Experimentierphase. Allerdings kristallisieren sich unter den verschiedenen Modellen für das Business auf dem Social Network bereits Favoriten heraus. Handel auf Facebook – kurz F-Commerce – profitiert vor allem von zwei Aspekten: der Empfehlung und Kommentierung durch User und die Möglichkeit, die eigenen Fans durch besondere Angebote anzusprechen, zu binden und als Multiplikatoren zu nutzen.(...)
...in Facebook-Commerce, der sich auf der Plattform selber abspielt, und solchen, der zwar über Facebook eingeleitet, aber dann in einem klassischen Webshop abgewickelt wird. Dabei kristallisieren sich drei Modelle heraus. Modell eins: „Weiterleitungs-Shop“, die einzelne Produktwelten auf Facebook anteasern, den Kunden dann aber für den Kauf von Facebook weg in den eigenen Webshop führen. Die zweite Möglichkeit bilden sogenannte „Canvas-Shops“. Das sind Shopping-Anwendungen – kurz Apps – die gewissermaßen auf der Schnittstelle zwischen Facebook und externem Webshop operieren. Modell drei schließlich sind Facebook-Shops, die über die I-Frame-Technologie auf der Fan-Page eines Händlers direkt eingebunden werden und in denen der Kunde beim Shoppen das Soziale Netzwerk nicht verlässt.
Viele Experten halten dieses Modell für nicht mehr angemessen. „Der User wird aus der Facebook-Welt herausgerissen“, erklärt Pfausler von Shopshare. Die Gefahr sei groß, dass man potentielle Kunden verliere, die die Seite eben nicht verlassen wollen. Roman Friedrich von Booz & Company sieht das genauso. „Die Kosten für einen eigenen Facebook-Shop stehen in keinem Verhältnis zu dem möglichen Verlust durch die Abbruchrate“, sagt er. Doch maßgeschneiderte Facebook-Lösungen kosten schnell 40 000 Euro mehr – es sei denn, der Händler greift auf vorgefertigte Lösungen zurück. Das ist wenig für große Handelskonzerne, aber viel Geld für kleinere Anbieter. Weil eine Weiterleitung günstiger ist, wird auch diese deshalb in vielen Fällen angewandt.
...bilden die eigenen Facebook-Shops. Diese bieten den Vorteil, dass Kunden in der Facebook-Welt bleiben und einkaufen. Die Kunden bekommen dabei nur Kontakt zum Front-End, der Fanpage des Händlers, und sind deren Fans. „Ein eigener Facebook-Store erlaubt es Händlern ihren Fans und besten Kunden ein differenziertes Angebot zu machen", erklärt Paul Marsden von Syzygy: etwa exklusive Produkte oder besondere Schnäppchen.
Facebook selber bietet seinen Handelskunden verschiedene Hilfsmittel für den F-Commerce. Mit „Facebook-Credits“ stellt der Plattformbetreiber eine virtuelle Währung zur Verfügung, die bisher vor allem bei Spielen und virtuellen Gütern zum Einsatz kommt. Facebook-Check-in-Deals zielen auf das lokale Geschäft: Checken Kunden über Facebook Places in einem Geschäft ein, kann der Händler ihnen spezielle Angebote oder Gutscheine über Facebook zukommen lassen. Die Facebook-Technologie erlaubt es zudem, Produkte im eigenen Webshop über den Like-Button zu versehen, so dass die eigenen Webshop-User dies einfach weiterempfehlen. Die „Open-Graph-Technologie“ ermöglicht nicht nur die einfache Anbindung eines externen Webshops. Die Betreiber bekommen auch Informationen über Facebook-Nutzer und deren Freunde.
Die Möglichkeiten, Facebook für Social-Commerce zu nutzen sind also vielfältig. Inzwischen haben sich viele Agenturen auf dieses Thema spezialisiert. Und bieten Händlern und Webshops Unterstützung an (siehe Übersicht). Gerade für Internet-Agenturen, die sich auf E-Commerce spezialisiert haben, verspricht Social-Commerce neue Aufträge. (...) Einige Agenturen wie hmmh aus Bremen bauen spezielle Teams auf, um die Potentiale voll auszuschöpfen. „Künftig wird Facebook „im Kommunikationsmix“ nicht fehlen dürfen“, sagt Thorben Fasching, Marketing-Direktor bei hmmh.
...darf der Händler eines nicht aus den Augen verlieren: Es hängt alles auch von den richtigen Marketing-Maßnahmen ab. „Ein typischer Fallstrick ist es, wenn einfach alle Produkte aus dem Online-Shop in den Facebook-Shop kopiert werden und man dann davon ausgeht, dass ohne jedes Dazutun eine Umsatzlawine über einen hereinbricht“, sagt Spezialist Pfausler. Ein Facebook-Shop müsse genauso vermarktet werden wie jeder andere Shop – allerdings mit den speziellen Möglichkeiten.
*Quelle >> Werben&Verkaufen 28/2011