Digitalisierung – Die Party des Jahrhunderts

Wenn ich über das Thema Digitalisierung nachdenke, habe ich immer öfter eine Textzeile von Fettes Brot aus dem Song „Jein“ im Kopf: „Und wenn du nicht mitkommst dann hast du echt was verpasst. Und wen wundert's? Es wird fast die Party des Jahrhunderts.Vanessa Wrede, Head of Personnel Development bei hmmh, verrät wie sie über die Digitalisierung im Bezug auf Personaler und HR denkt und interviewt dazu Simone Ashoff von der Good School.

Für mich ist die Digitalisierung genau diese Party des Jahrhunderts: Andauernd geschehen unglaubliche Dinge, so dass einem fast schwindelig wird. Und schaut man einen kurzen Moment weg, verpasst man irgendetwas. Genauso ist es auch in der digitalen Welt: Pro Sekunde entstehen durchschnittlich 127 neue Dinge im Internet! Wahnsinn, oder? Wie soll man da auf dem Laufenden bleiben? Eine Abkürzung gibt es dafür leider nicht. Man muss selbst die Initiative ergreifen und relevante Unternehmen, Blogs, YouTube Kanäle, Facebook Seiten oder Kollegen auf Twitter abonnieren. Dann klappt das im Grunde ganz gut, auch als Personaler.

Aber ist man – nur weil man als Personaler auf dem Laufenden ist – dazu berufen, das Thema Digitalisierung in einem Unternehmen voranzutreiben? Kann es unsere Aufgabe sein, als treibende Kraft den Wandel voranzutreiben? Nein. Unsere Kompetenzen sind breit gefächert, aber diejenigen mit der größten digitalen Kompetenz in Unternehmen sind wir nicht. Umso verwunderter bin ich, dass „HR muss der Treiber der Digitalisierung sein“ das neueste Mantra vieler Verantwortlicher und Manager ist. Aus meiner Sicht ist das Quatsch.
Unsere Aufgabe ist es, Unterstützer zu sein. Wir nehmen den Kollegen die Sorgen, dass Maschinen ihre Jobs übernehmen könnten. Wir geben Denkanstöße, um sie dazu zu befähigen, im Wandel neue Rollen zu übernehmen. Wir schaffen und optimieren Strukturen, welche die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung sein können. Bildung, Förderung und Organisationsentwicklung werden immer stärker von HR gefordert. Meine Parole ist somit: HR muss Supporter der Digitalisierung und Treiber für New Work sein.

Soziale Kompetenzen sind der Key

Warum nun also doch HR als Treiber? Ganz einfach: Soziale Kompetenzen sind unser Fachgebiet. Wir Personaler müssen Eigenverantwortlichkeit, Kommunikation auf Augenhöhe und ein agiles Mindset im Unternehmen voranbringen. Die Rolle des Personalers verändert sich also derzeit genauso schnell wie die Digitalisierung und bringt Aufgaben mit sich, von denen wir noch vor ein paar Jahren nicht dachten, dass wir diese übernehmen werden. Während früher vor allem standardisierte Abläufe den Alltag der Personalarbeit ausgezeichnet haben, ist es heute mehr und mehr Projektarbeit geworden. Sei es zum Beispiel, den Change-Prozess im Unternehmen mit zu verantworten, Entwicklungsberater und Kulturhüter zu sein oder das agile Manifest und agile Arbeitsmethoden sichtbar zu machen. Dabei ist es nicht nur wichtig, Neues sichtbar zu machen, sondern vor allem auch die Kollegen zu ermutigen und zu motivieren, etwas auszuprobieren und später im Unternehmen zu verankern.

Auch der Wissenstransfer im eigenen Unternehmen ist teilweise auf der Strecke geblieben, in Zeiten in denen man sich alles „ergooglen“ kann. Kollegen zusammen zu bringen und anzureizen, ihr Wissen stetig – persönlich oder digital - miteinander zu teilen, ist ebenso eine Aufgabe von HR. Sämtliche relevante Erfahrungen sind es wert, miteinander geteilt zu werden. Gerade beim Teilen von Erfahrungen untereinander ist es wichtiger denn je, auch über Fehler offen und ehrlich zu sprechen. Wie wir alle wissen, wächst man mit den Erfahrungen, die man macht. Oder mit den Worten von Henry Ford:

„Der einzige wirkliche Fehler ist der, von dem wir nichts lernen.“

Natürlich ist es nicht leicht, den ersten Schritt zu tun und vor allem nicht alleine. Dafür ist es hilfreich, sich gleichgesinnte Kollegen im Unternehmen zu suchen, egal aus welchem Fachbereich, und mit diesen in einer Arbeitsgruppe die Themen Digitalisierung und New Work zu besprechen und anzupacken. Ganz aktuell gibt es hierzu übrigens einen neuen Erfahrungsbericht von MAN Truck & Bus als Inspiration.
Eine Frau, die uns Personaler im Hinblick auf die Digitalisierung und New Work sehr gut einschätzen kann, ist Simone Ashoff von der Good School. Zusammen mit ihren Partnern Inga von Göler (Good School) und Stephan Grabmeier (Haufe) hat sie das Format der HR-Safari ins Leben gerufen.

An der HR-Safari habe ich letztes Jahr teilgenommen und bin sehr begeistert von dieser Reise zurückgekommen. Damals habe ich hierzu auch den Blogartikel "HR-Safari - Personaler außer Rand und Band" verfasst zusammen mit einem Interview mit Stephan und Simone, an das ich nun gerne anknüpfen möchte.

Interview mit Simone Ashoff (Good School)

 

Liebe Simone, in unserem Interview aus dem letzten Jahr hast du gesagt, dass Personaler viel, viel businessorientierter denken müssen, die Digital-Strategie des eigenen Unternehmens verstehen und daraus die HR-Strategie ableiten sollen. Hat sich hier aus deiner Sicht schon etwas getan?

Zwei ganz konkrete Dinge sind mir aufgefallen: erstens gibt es zwei nagelneue Konferenzen für Personaler, die sich neuen, strategischen HR-Fragestellungen widmen. Das sind die NWX von Xing und die Work Awesome, die im November von New York nach Berlin kommt. Eine tolle Konferenz, bei der wir übrigens auch mitmachen.
Und dann schau Dir mal die HR-Konferenz-Talks und -Panels der letzten 12 Monate auf YouTube an - an richtig vielen Stellen wird die Relevanz, Rolle und Ausrichtung von HR kritisch hinterfragt, gesucht und diskutiert. Es sieht so aus, als sei in den Köpfen Aufbruchstimmung.

Wenn du an die Personaler denkst, mit denen du zusammenarbeitest bzw. die du kennengelernt hast, wie mutig sind diese, auch mal zu experimentieren und agile Arbeitsmethoden einzusetzen?

Wir arbeiten in der Good School nur mit den Mutigen zusammen. Denen, die freiwillig mehrfach am Tag mit ihren Köpfen gegen Wände rennen. Ich denke da zum Beispiel an Verena Augustin von IXDS, Sybille Arnegger von der Deutschen Bank, Sirka Laudon, mittlerweile bei der Deutschen Bahn, Gitta Blatt von Sky, und Anna Ott vom Telekom hub:raum. Alles echte Transformations-Traumfrauen.

Mit eurem Format „HR Safari“ habt ihr euch auch als Ziel gesetzt die HR-Kollegen digital fit zu bekommen. Funktioniert das? Was lösen eure Veranstaltungen bei den Personalern aus?

Ein HR Business Partner aus einem großen B2B-Unternehmen erzählte mir kürzlich mit leuchtenden Augen, seine Teilnahme an der HR Safari vor 1,5 Jahren sei für ihn ein Urknall gewesen. Zurück im Unternehmen sah er seine Arbeit und seine Verantwortung mit ganz anderen Augen, sprühte vor Ideen und fing an, alles neu zu denken. Seitdem hat er das interne Trainee-Programm komplett umgestrickt, um den Nachwuchs zu innovativen Intrapreneuren auszubilden, treibt den Ausbau eines Accelerators voran und hat seinen Arbeitsbereich für sich komplett neu definiert. Viele unserer Alumni berichten ähnliches.
Die HR Safari macht Türen zu neuen Wegen auf, schenkt ein neues Rollenverständnis, macht Mut Dinge neu zu denken und liefert allen Teilnehmern ein Top-Netzwerk, mit dem sie sofort loslegen können.

Wer sollte an eurer HR Safari teilnehmen und wer eher nicht?

Personaler, die Bock haben, was zu bewegen. Oder noch keinen Bock haben, aber unbedingt haben wollen. Übrigens nicht nur Personaler. Wir hatten auch schon Executives aus anderen Unternehmensbereichen, die sich für ihre Führungsrolle besser aufstellen wollten. Auch die dürfen mitmachen.

Möchtest du abschließend noch etwas los werden in Richtung HR und Digitalisierung?

Weitermachen.

Lieben Dank für das Interview, Simone. Und liebe HR-Kollegen: Traut euch etwas zu bewegen, arbeitet an eurer New Work- und Digital-Fitness. Get The Party Started!

Dieser Artikel wurde auch auf personalblogger.net veröffentlicht.

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