Foldable Apps: Wie Apps auf faltbaren Smartphones überzeugen
Seit Apple im September 2026 mit dem iPhone Duo sein erstes faltbares Smartphone vorgestellt hat, sind Foldables endgültig im Massenmarkt angekommen. Für Marken heißt das: Ihre Apps müssen auf einem Gerät funktionieren, das in Sekunden vom Smartphone zum Mini-Tablet wird. Wir erklären, was Foldables sind, was Foldable Apps ausmacht und worauf es beim Design ankommt.
Der Markt wächst deutlich schneller als der klassische Smartphone-Markt: Laut IDC wurden 2025 rund 20,6 Millionen Foldables ausgeliefert, für 2026 erwarten die Analysten ein Plus von 30 Prozent. Bis 2029 sollen Foldables mehr als 10 Prozent des gesamten Smartphone-Marktwerts ausmachen. Und weil die Geräte rund dreimal so viel kosten wie ein durchschnittliches Smartphone, sitzen dahinter oft besonders kaufkräftige und digital affine Nutzer*innen.
Was sind Foldables?
Foldables sind Smartphones mit einem biegsamen Bildschirm, den man wie ein Buch oder eine Schmuckbox zusammenklappen kann. So passt ein großes Display in die Hosentasche und lässt sich bei Bedarf auf Tablet-Format aufklappen.
Möglich machen das flexible OLED-Displays und ein ausgeklügeltes Scharnier, das beide Hälften verbindet und die Faltung steuert. Viele Modelle haben zusätzlich einen kleineren Außenbildschirm, den Cover-Screen, der im zugeklappten Zustand Uhrzeit, Benachrichtigungen oder die Kamera-Vorschau zeigt.
Die Idee ist noch jung: Der Royole FlexPai aus dem Jahr 2018 galt als erstes kommerziell erhältliches Foldable für den Massenmarkt, mit dem Samsung Galaxy Fold kamen Foldables 2019 im Mainstream an. Heute gibt es sie von Samsung, Google, Honor, Motorola, Huawei, Oppo, Vivo, Apple und weiteren Herstellern.
Für die Entwicklung von Apps bedeutet das: Ein und dasselbe Gerät ist mal kompaktes Smartphone, mal kleines Tablet und manchmal etwas dazwischen.
Welche Foldable-Varianten gibt es?
Im Kern gibt es drei Bauformen und innerhalb dieser Formen immer mehr unterschiedliche Seitenverhältnisse.
So funktioniert die Variante | Typischer Einsatz | Beispiele (Stand 11/2026) | |
Book-Style (Fold) | Klappt seitlich auf wie ein Buch; innen ein Display in Tablet-Größe, außen ein vollwertiger Smartphone-Screen | Multitasking, Lesen, Video, Produktivität | iPhone Duo (7,6 Zoll innen, 5,4 Zoll außen), Galaxy Z Fold8 und Z Fold8 Ultra, Google Pixel Pro Fold, Honor Magic V-Serie |
Flip-Style (Clamshell) | Klappt horizontal zusammen wie eine Puderdose; außen ein kleines Cover-Display | Kompakt in der Tasche, Selfies, schnelle Infos | Galaxy Z Flip8, Motorola Razr |
Tri-Fold | Zwei Scharniere, drei Displayflächen; ausgeklappt nahezu Tablet-Format | Arbeiten unterwegs, Desktop-Modus, drei Apps parallel | Galaxy Z TriFold (10 Zoll innen), Huawei Mate XT |
Ein Trend für 2026: Book-Style-Geräte werden breiter. Sowohl das iPhone Duo als auch das Galaxy Z Fold8 setzen aufgeklappt auf ein, breites, fast quadratisches Format. Für Apps bedeutet das: Layouts, die nur für hochkant optimiert sind, sehen auf diesen Geräten schnell leer oder verzerrt aus oder werden gar mit schwarzen Balken angezeigt und nutzen so die Bildschirmfläche nicht aus.
Unabhängig von der Bauform kennen Foldables verschiedene Haltungen, Postures genannt. Neben komplett zu- und aufgeklappt gibt es den halb aufgeklappten Zustand: als Tabletop-Modus (horizontaler Knick, das Gerät steht wie ein Mini-Laptop auf dem Tisch) oder als Book-Modus (vertikaler Knick, das Gerät wird wie ein Buch gehalten). Samsung nennt den halb gefalteten Zustand Flex Mode.
Was unterscheidet Foldable Apps von Non-Foldable Apps?
Auch klassische Apps unterstützen in der Regel Hoch- und Querformat sowie unterschiedliche Bildschirmgrößen und Seitenverhältnisse in einem gewissen Rahmen. Neu bei Foldables ist, dass sich das Bildschirmformat auch mitten in der Nutzung jederzeit ändern kann: Mit einem Handgriff wird aus dem schmalen Smartphone-Screen ein nahezu quadratisches Mini-Tablet. Eine Foldable App ist darauf vorbereitet und passt Layout und Inhalte in diesem Moment nahtlos an.
| Non-Foldable App | Foldable App | |
| Bildschirm | Unterschiedliche Größen und Formate in üblichem Rahmen, Hoch- und Querformat | Wechselt zwischen Cover-Screen, großem Innendisplay und halb gefalteten Zuständen |
| Layout | Skaliert innerhalb eines Smartphone-typischen Layouts | Passt sich dynamisch an; mehr Inhalte, sobald mehr Platz da ist |
| Übergänge | Kein Wechsel des Displays | Beim Auf- und Zuklappen geht nichts verloren: Scroll-Position, Eingaben und Tastatur bleiben erhalten |
Multitasking | Meist eine App im Vollbild | Splitscreen, mehrere Fenster, Drag-and-drop zwischen Apps |
Bedienung | Standard-Touch-Gesten | Zusätzlich Haltungs-Modi (Tabletop, Flex Mode), teils Stift-Eingabe |
Wichtig: Eine „Foldable App“ ist keine eigene App-Gattung im Store. Es ist dieselbe App. Sie ist nur so gebaut, dass sie die Möglichkeiten des faltbaren Geräts erkennt und nutzt. Eine App, die das nicht tut, läuft zwar meist trotzdem, wirkt aber oft wie ein aufgeblasenes Handy-Layout: mit schwarzen Balken am Rand (Letterboxing), gestreckten Elementen oder verlorenem Fortschritt nach dem Aufklappen.
Warum Apps für Foldables anders designt werden müssen
Auf einem Foldable ändert sich der Bildschirm während der Nutzung. Darauf muss das Design vorbereitet sein. Wer das ignoriert, verschenkt Platz, verliert Nutzer*innen an der Faltkante oder bricht ihre Aufgabe beim Aufklappen ab. Diese fünf Punkte gilt es daher unbedingt zu beachten:
- Kontinuität sichern (App Continuity)
Wenn man das Gerät aufklappt, will man genau dort weitermachen, wo man aufgehört hat. Laut Samsung sollen Scroll-Position, Texteingaben und die geöffnete Tastatur beim Displaywechsel erhalten bleiben. Technisch startet Android die App beim Falten neu. Der Zustand muss also bewusst gespeichert und wiederhergestellt werden. - Die Faltkante respektieren
Im halb gefalteten Zustand sind Inhalte auf dem Knick schwer lesbar und Bedienelemente schwer erreichbar. Buttons, Dialoge und Pop-ups gehören deshalb nicht auf die Falz. Bei Geräten mit zwei getrennten Displays verdeckt das Scharnier Inhalte sogar komplett. - Halb gefaltete Haltungen nutzen
Im Tabletop- oder Flex-Modus gehören Inhalte wie Videos oder Kamerabild in die obere Hälfte, Steuerelemente in die untere, flach liegende Hälfte. - Den großen Screen sinnvoll füllen
Mehr Platz heißt nicht größere Buttons, sondern echten Mehrwert: etwa Suchergebnisse und Detailansicht nebeneinander oder zum Produktbild zusätzlich technische Daten und Bewertungen. - Cover-Screen mitdenken
Der Außenbildschirm ist kein Nebenschauplatz. Viele Menschen erledigen dort schnelle Aufgaben, ohne das Gerät überhaupt aufzuklappen. Die App muss dort genauso sauber funktionieren. - Multitasking unterstützen
Seit Android 12 laufen auf großen Bildschirmen alle Apps im Mehrfenster-Modus, ob Entwickelnde das wollen oder nicht. Auch iOS 27 erlaubt auf dem iPhone Duo Split View mit zwei Apps nebeneinander. Die App muss also auch in einem halben Bildschirm gut aussehen.
Worauf kommt es beim Adaptive Design an?
Adaptive Design heißt: Die App fragt nicht „Welches Gerät bin ich?“, sondern „Wie viel Platz habe ich gerade?“ und wählt danach das passende Layout. Das ist der Schlüssel für Foldables, aber genauso für Tablets, Splitscreen und Desktop-Fenster. Deshalb ist für eine optimale User Experience wichtig:
In Fensterklassen denken, nicht in Geräten.
Apple arbeitet mit den Size Classes “Compact” und “Regular”. Die SwiftUI-Layouts passen sich entsprechend an. Google hingegen teilt den verfügbaren Platz in sogenannte Window Size Classes ein. Ein zugeklapptes Smartphone liegt fast immer in der Klasse „Compact“, ein aufgeklapptes Foldable meist in „Medium“ oder „Expanded“:
> Compact = unter 600 dp: typisch für Smartphones hochkant, zugeklappte Foldables
> Medium = 600 bis 839dp: typisch für Tablets hochkant, aufgeklappte Foldables hochkant
> Expanded = 840 - 1.199dp: typisch für Tablets quer, aufgeklappte Foldables quer
> Large & Extra-large = ab 1.200dp: typisch für Große Tablets, Desktop-Monitore(dp = „density-independent pixels“, eine geräteunabhängige Maßeinheit)
Bewährte Layout-Muster nutzen.
Google empfiehlt drei Standard-Layouts, die sich je nach Platz automatisch umbauen:> List-Detail: Liste und Detailansicht nebeneinander, etwa Posteingang und geöffnete Mail. Auf kleinen Screens nacheinander.
> Feed: Inhalte im Raster, das von einer Spalte auf dem Handy zu mehreren Spalten auf dem großen Screen wächst ideal für News, Social Media oder Produktlisten.
> Supporting Pane: Hauptinhalt plus ergänzende Leiste, zum Beispiel ein Video mit Empfehlungen daneben. Auf breiten Screens etwa im Verhältnis 70 zu 30.Mit Veränderung rechnen.
Die Fensterklasse kann sich jederzeit durch Drehen, Splitscreen oder Auf- und Zuklappen ändern. Das Layout muss deshalb live und ohne Datenverlust umschalten.Keine starre Ausrichtung.
Apps, die sich nur hochkant öffnen lassen, erzeugen auf breiten Foldables wie dem iPhone Duo oder Galaxy Z Fold8 schwarze Ränder. Samsung empfiehlt ausdrücklich Querformat-Support und Layouts ohne Letterboxing.Auf allen Größen testen.
Mindestens an den Übergängen der Klassen und auf echten Geräten oder Emulatoren mit Faltfunktion, inklusive Cover-Screen und halb gefaltetem Zustand.
Tipps für eine optimale User Experience
Eine gute Foldable-Erfahrung entsteht im Zusammenspiel von Gerät und App. Deshalb haben wir Tipps für beide Seiten: Nutzer*innen und Unternehmen.
Für Nutzer*innen, die mehr aus dem Foldable herausholen möchten:
- Splitscreen nutzen: Zwei Apps nebeneinander, etwa Browser und Notizen oder Video-Call und Kalender. Das iPhone Duo kann sogar zwei Fenster derselben App parallel anzeigen.
- Taskleiste aktivieren: Auf vielen Android-Foldables lässt sich am unteren Rand eine Taskleiste einblenden (meist unter Einstellungen > Anzeige). So wechselt man Apps so schnell wie am Desktop.
- Mit Stift arbeiten: Ein Stylus macht Notizen, Skizzen, Unterschriften und PDF-Anmerkungen deutlich präziser. Apple hat Pencil-Support für das iPhone Duo angekündigt.
- Halb gefaltet aufstellen: Im Tabletop- oder Flex-Modus steht das Gerät von selbst – praktisch für Video-Calls, Rezepte in der Küche oder Selfies mit der Hauptkamera.
- Mit externem Bildschirm verbinden: Funktionen wie Samsung DeX machen aus dem Foldable einen Desktop-Rechner.
Für Unternehmen, die die eigene App foldable-ready machen möchten
- Mit einem Audit starten: Wie verhält sich die App heute beim Auf- und Zuklappen, im Querformat und im Splitscreen? Die größten Brüche zuerst beheben. Meist sind es verlorene Zustände und Letterboxing.
- Die wichtigsten Journeys priorisieren: Nicht jede Ansicht braucht ein eigenes Foldable-Layout. Einstellungsseiten dürfen bleiben, wie sie sind. Konzentrieren Sie sich auf die Strecken mit dem größten Nutzen, etwa Produktdetail, Checkout oder Content-Konsum.
- Mehrwert statt Vergrößerung: Zusätzlichen Platz für zusätzliche Informationen nutzen wie beispielsweise Vergleichsansichten, Bewertungen, Begleitinhalte.
- Drag-and-drop ermöglichen: Bilder, Texte oder Dateien zwischen Apps verschieben zu können, ist auf großen Screens ein echter Komfortgewinn.
- Barrierefreiheit mitdenken: Erreichbarkeit mit dem Daumen, gut lesbare Schriftgrößen und klare Bedienwege gelten auf jeder Bildschirmgröße. Zur Info: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit Juni 2025 auch für viele E-Commerce-Apps.
- Foldable-Features bewusst inszenieren: Was die App auf Foldables besonders gut kann, gehört in App-Store-Texte, Release Notes und Kampagnen. So entdeckt die Zielgruppe die Features – und erkennt, dass die Marke an sie gedacht hat.
- Messen und iterieren: Nutzungsdaten nach Bildschirmklasse auswerten und gezielt nachschärfen, denn die die Zielgruppe auf Foldables wächst jedes Jahr.
Fazit: Foldables sind kein Nischenthema mehr
Mit Samsung, Google, Honor, Huawei und jetzt auch Apple setzen nahezu alle großen Hersteller auf faltbare Smartphones. Apps, die sich flexibel an Größe, Format und Haltung des Bildschirms anpassen, bieten Nutzer*innen ein deutlich besseres Erlebnis und sind gleichzeitig fit für Tablets, Splitscreen und Desktop.
Foldable-Support ist dabei mehr als ein technisches Detail. Wer für ein Smartphone ein Vielfaches des Durchschnittspreises ausgibt, erwartet, dass Apps das Gerät auch ausreizen und merkt sofort, welche Marken das tun. Gerade Early Adopter achten auf solche Details und empfehlen gute Erlebnisse gern weiter. Eine App, die Splitscreen, Flex Mode und den großen Screen gezielt nutzt, wird so zum Unterscheidungsmerkmal gegenüber einer besonders kaufkräftigen und meinungsstarken Zielgruppe.
Der beste Zeitpunkt, die eigene App foldable-ready zu machen, ist jetzt. Sie möchten wissen, wie Ihre App auf Foldables abschneidet? Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie von der UX-Analyse bis zur Umsetzung.
Quellen:
Android Developers: Learn about foldables | Use window size classes | Canonical layouts
Samsung Developers: Designing for Foldable
HONOR: Differences Between Foldables and Regular Apps
IDC: Worldwide Foldable Smartphone Market to Grow 30% YoY in 2026
MacRumors: iPhone Duo: Everything We Know
Android Central: Samsung Galaxy Unpacked 2026